(c) Martin Mölder

Engel haben viele Gesichter

  • 25.10.18 10:28
  • Martin Mölder
  •   Kultur und Kirche

Eine Lichtshow, laute elektronische Musik vom DJ, großformatige Fotos an den Seitenwänden und ein kleiner Papier-Engel, der jedem Besucher des Jugend-Gottesdienstes geschenkt wird – so startet dieser Abend in der Kirche St. Clemens und Mauritius, der Liebfrauenkirche, wie sie hier von allen genannt, in Köln-Mülheim. Viele sind gekommen, alt und jung, um die Vernissage der Fotoausstellung von Paul Caruso zu besuchen, aber auch um vorher einen etwas anderen Gottesdienst zum Thema „Engel“ zu erleben. Der beginnt, indem drei Erwachsene in langen, weißen Kutten Geige- und Querflötenspielend zum Altar kommen, die Harmonien der elektronischen Musik aufnehmen in klassische Musik verwandeln. Und nachdem noch elf kleine Engel der Kita eingezogen sind, und gemeinsam mit den „großen“ Engeln um den Altar „geschwebt“ sind, begrüßen Pfarrer Stefan Wagner und Diakon Robert Knesevic die Gottesdienstbesucher. Ein bewegender, berührender Jugendgottesdienst beginnt, musikalisch gestaltet vom Chor „Unerhört Harmonisch“ und der Band „Port Lux“ unter der Leitung von Thomas Reuber und thematisch immer wieder durch Geschichten von Engeln bereichert. Diakon Knesevic erzählt von einem Erlebnis, als er mitten im Winter, in einer eiskalten Nacht mit seinem Wagen aus eisglatter Fläche im Graben landete - weit und breit kein Haus in der Nähe. Da tauchte wie aus dem Nichts ein Jeep mit drei jungen Männern auf, die Knesevics Auto aus dem Graben zogen und so schnell verschwunden waren, wie sie gekommen waren. „Für mich waren das Engel“, erzählt er den Gottesdienstbesuchern, „da habe ich keine Zweifel“. Passend dazu singt die Gemeinde danach „Gott hat mir längst einen Engel gesandt“ und auch der Rest der Messe ist vor allem eins: In sich stimmig, kein Event, des Events willen, trotz Ton- und Lichtshow, sondern echt und authentisch und das merkt man den Gläubigen aller Altersstufen an diesem Abend in der Liebfrauenkirche an. Auch deshalb bleiben viele nach dem Gottesdienst noch, um zu reden und um sich die Fotos von Paul Caruso anzusehen.

Erlebnisreiche Bolivien-Reise

 (c) Martin Mölder

Auf einer Fahrt der CAJ (Christliche Arbeiterjugend Deutschland) Schäl Sick aus Köln-Mülheim in den Sommerferien nach Bolivien sind die Fotos des 19-Jährigen entstanden. Dort haben die jungen Leute unter anderem den 40 Jahre alten Innenhof einer Musikschule der in Bolivien bekannten Band „Los Masis“ renoviert.

Dort geben die Musiker der Band 5-15-jährigen Kindern und Jugendlichen aus armen Familien Musikunterricht und helfen ihnen bei den Hausaufgaben. „Das waren bewegende Tage dort“, erzählt der 23-jährige Lukas. Und André ergänzt: „Da haben wir so viel Lebensfreude und Glück bei den Kindern erlebt, obwohl sie oft nicht wissen, was sie am nächsten Tag essen sollen. Auch deren Eltern: Sie haben so wenig und geben so viel. Unglaublich.“  Viele dieser Begegnungen hat Paul Caruso mit seiner Kamera festgehalten. Entstanden sind dabei beeindruckende Fotos. „Als Robert kam zu mir und fragte, ob ich nicht Lust hätte zum Thema „Engel“ zu fotografieren, wusste ich erst gar nicht, was er wollte – bis  ich verstanden habe, dass es um Engel im Alltag geht, um menschliche Engel. Dann war ich dabei.“

Überzeugt vom Nachwuchs-Fotografen

 (c) Martin Mölder

Diakon Robert Knesevic war sich sicher in der Auswahl seines Fotografen, aber nicht darin, was als Ergebnis dabei herauskommen würde. „Mir gefällt, das fotografische Auge von Paul, die Art, wie er Menschen sieht und fotografiert“, sagt er und ist von den einzelnen Fotos der Ausstellung begeistert. Und nicht nur er. Besonders gelungen sind die Porträts der CAJ-Jugendlichen bei den Renovierungsarbeiten in der Musikschule und gemeinsam mit den bolivianischen Kindern. Ilayda Onur ist eines der „Modells“, die Paul Caruso in den Fokus der Kamera nahm. „Sie war richtig glücklich, als sie ihr Foto hier sah“, erzählt Caruso, „so hatte sie sich das überhaupt nicht vorgestellt.“

Das gilt nicht nur für die Foto-Motive, sondern auch die Besucher der Ausstellung. Viele bleiben noch bis zu einer Stunde nach dem Jugend-Gottesdienst in der Liebfrauenkirche und schauen sich die Fotos von Paul Caruso bei Fingerfood und Getränken an. „Diese Steine hier der Liebfrauenkirche sind tot ohne die Menschen“, sagt Robert Kneseciv. „ Tote Steine haben wir zu viel, lebendige Steine haben wir zu wenig. Deshalb hoffe ich, dass wir mutiger werden in der Kirche, durch solche Aktionen wie hier heute und auch mit dem pastoralen Zukunftsweg, auf den sich das Erzbistum Köln  begeben hat. Ich setze große Hoffnung darauf.“

SommerZeit 2018 (c) Robert Boecker

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