Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki reist auf Einladung des Großerzbischofs der Syro-Malankarischen Kirche durch Indien. Dort nimmt er an den Feierlichkeiten anlässlich des 65. Todestages des Gründers der Syro-Malankarischen Kirche teil. Darüber hinaus nutzt er die Reise, um viele Orden und Glaubensgemeinschaften zu besuchen, zu denen das Erzbistum Köln bereits jahrzehntelange Beziehungen pflegt.

Dr. Rudolf Solzbacher und Nadim Ammann aus der Diözesanstelle Weltkirche/Weltmission begleiten den Kardinal. In einem Reisetagebuch teilt Nadim Ammann seine Eindrücke.

13. Juli 2018 Newsdesk/Je, mch

Rainer Maria Kardinal Woelki reist durch Indien. Dr. Rudolf Solzbacher und Nadim Ammann aus der Diözesanstelle Weltkirche/Weltmission begleiten den Kardinal.

12. Juli 2018 - Mumbai

Mit uns kam das gute Wetter nach Mumbai: In den vergangenen Tagen hatte es noch so stark geregnet, dass sogar die Schulen geschlossen werden mussten - heute konnten die Kinder erstmals wieder in die Schule.

Herzliche Begegnung mit dem Erzbischof von Mumbai

Der Erzbischof von Mumbai und Vorsitzende der indischen Bischofskonferenz, Oswald Kardinal Gracias, bereitete uns einen herzlichen Empfang und erzählte vom Pastoralplan der asiatischen Bischöfe für Asien, der für Indien bereits vorliegt. Im Rahmen dieses Austausches berichtete Kardinal Woelki seinerseits über den Pastoralen Zukunftsweg im Erzbistum Köln.

Im Anschluss hatten wir die Gelegenheit zu einem Treffen mit den Bischöfen der Region Westindien, die im örtlichen Priesterseminar tagten. Einige kannten wir bereits von ihren Besuchen in Köln. Der Bischof von Nashik bedankte sich für die Hilfe aus dem Erzbistum Köln beim Bau der neuen Kathedrale. Auch der Bischof von Kalyan drückte seinen Dank für die jahrelange Hilfe aus.

Besuch bei Steyler Missionarinnen und Franziskanern

Am Nachmittag besuchten wir die Kölner Missionarin Schwester Hermanelde Pulm SSpS, die in Köln-Nippes geboren wurde und seit über 50 Jahren in Mumbai lebt.  Dort war sie im ersten katholischen Krankenhaus der Stadt tätig. Die Freude über den Besuch aus Köln war groß. Im Gespräch betonte Schwester Hermanelde, wie froh sie über ihre Arbeit in Mumbai sei und dass sie sich jederzeit wieder für die Missionsarbeit entscheiden würde.

Für den Abend hatten die Franziskaner zu einem kulturellen Abend in das Mutterhaus der Missionsbrüder des Hl. Franziskus eingeladen. Wir wurden traditionell mit einem Bindi auf der Stirn begrüßt. Begleitet von einer Tanzgruppe, zogen wir in die Kirche ein und feierten gemeinsam Gottesdienst. In der Kapelle des Ordens werden sonntags auch die Messen der Pfarrei gefeiert, da die eigene Kirche zu klein ist.

Die Franziskaner betonten, wie wichtig die guten Beziehungen zur Erzdiözese Köln für Ihre Arbeit sind. Mit dieser Hilfe war es dem Orden möglich, sehr viel für den Aufbau der kirchlichen Infrastruktur in Mumbai und anderen Teilen Indiens zu leisten. Unter anderem für die Syro-Malankarische Kirche, die wir ab morgen besuchen.

Freitag, 13. Juli – Trivandrum/Kerala

Heute Morgen ging es schon um 4:30 Uhr zum Flughafen. In Trivandrum, der Hauptstadt des südindischen Bundesstaats Kerala, erwartete uns der Großerzbischof der Syro-Malankaren, Mar Cleemis, persönlich. In den Zeitungen war unser Besuch im Vorfeld angekündigt worden und am Bischofshaus hingen große Plakate mit dem Foto von Kardinal Woelki. Dementsprechend waren wir sehr gespannt, was uns erwarten würde.

Kerala beherbergt mehrere Kirchen

In Kerala sind mehrere Kirchen beheimatet. So gibt es drei katholische Kirchen: neben der Syro-Malankarischen auch die Syro-Malabarische und die Lateinische (Römisch-Katholische). Die Gläubigen der Syro-Malankarischen und Syro-Malabarischen Kirche werden auch Thomaschristen genannt. Ihr Ursprung ist auf den Apostel Thomas zurückzuführen, der im Jahre 52 n. Chr. an der indischen Malabarküste gelandet sein soll.

Zudem gibt es zwei Orthodoxe Kirchen und die Protestanten, die sich unter dem Namen Church of South India zusammengeschlossen haben. Insgesamt sind 18 Prozent der Bevölkerung Christen. Mit ihren vielen Kirchen und Einrichtungen ist die christliche Religion sehr sichtbar.

Pilger laufen nach Trivandrum

Anlässlich des Todestags des Gründers der Syro-Malankarischen Kirche, Mar Ivanios, pilgern jedes Jahr tausende Menschen 150 km bis nach Trivandrum. Wir hatten die Möglichkeit, einigen Pilgern zu begegnen und eine kurze Strecke mitzulaufen.

Die hohe Motivation, mit der sich auch auffallend viele junge Pilger auf den Weg machen, hat mich sehr berührt: Obwohl es schwül und heiß war, obwohl es regnete, sangen die Pilger ihr Hosanna und freuten sich auf die Ankunft in Trivandrum.

Andächtige Stimmung bei der Kerzenprozession

Nach dem Abendgebet fand eine Kerzenprozession zum Grab von Mar Ivanios statt. Es war ein unglaubliches Bild: Hunderte Gläubige pilgerten mit Kerzen in den Händen über den Campus, teilweise ging unser Weg auch über vielbefahrene Verkehrsstraßen. Wir wurden mitgenommen und fühlten uns als Teil der großen Gemeinschaft!

Mar Cleemis, der aktuelle Großerzbischof der Syro-Malankaren, hat dieses Pilgerfest initiiert als er den Heiligsprechungsprozess für den Kirchengründer Mar Ivanios (1882 – 1953) vor acht Jahren angekündigt hat. Das 14-tägige Fasten, das Pilgern und das gemeinsame Feiern soll den Prozess zum Erfolg bringen.

Samstag, 14. Juli - Trivandrum/Kerala

Heute erwartet uns einer der ganz besonderen Höhepunkte unserer 14-tägigen Reise: Der 65. Todestag des Kirchengründers Mar Ivanios wird feierlich begangen. Kardinal Woelki ist als Zelebrant und Festprediger eingeladen. Rund 4.000 Pilger waren in und um die Kathedrale versammelt. Doch die Zahl der interessierten Menschen war so groß, dass nicht alle Platz in der Kathedrale fanden, und der Gottesdienst deshalb zusätzlich auf große Leinwände übertragen wurde.

Besondere Beziehung zwischen dem Erzbistum Köln und der Syro-Malankarischen Kirche

Das Aufgebot war sehr beeindruckend. Am Anfang der Prozession standen 300 Priester, die meisten sehr jung. Ein Drittel der Kathedrale war mit Priestern und Ordensfrauen schon gefüllt. Dann kamen die 14 Bischöfe der Syro-Malankarischen Kirche und zum Schluss Großerzbischof Mar Cleemis und Kardinal Woelki.

Kardinal Woelki hob in seiner Predigt die besondere Beziehung der Erzdiözese Köln zur Syro-Malankarischen Kirche hervor, die bereits kurz nach der Gründung der Kirche durch Mar Ivanios von seinem Nachfolger, Mar Gregorius, und dem Kölner Kardinal Frings begründet wurde und seitdem bestehe. Er ging darauf ein, dass es in Indien nicht immer einfach sei seinen Glauben als Christin und Christ zu leben und, dass man Mut dafür benötige.

Kardinal Woelki im Interview

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki schildert am 14. Juli seine Reiseeindrück im Domradio-Interview.

Freiwilliges Engagement für Menschen mit Behinderungen

Am Nachmittag stand der Besuch diverser Institutionen auf dem Programm, von denen das Erzbistum Köln einige seit vielen Jahren unterstützen. Es war bereichernd, die Arbeit vor Ort live zu erleben und mit den engagierten Menschen ins Gespräch zu kommen.

In einer Einrichtung für geistig behinderte Menschen waren wir beeindruckt von dem freiwilligen Engagement vor Ort. In Indien leben viele Menschen mit Behinderung auf der Straße, für deren Fürsorge sich der Großerzbischof gleich nach seiner Amtsübernahme besonders eingesetzt hat. Hier leben nun über 100 Menschen und werden von Heilig-Geist Schwestern und einem Team von Freiwilligen versorgt.

Danach ging es zur wohl berühmtesten Einrichtung der Syro-Malankarischen Kirche: dem Bildungscampus, den das Erzbistum Köln ebenfalls seit einigen Jahren unterstützt. Dieser Bildungscampus steht auf einem Stück Land, das noch Wald war, als Mar Ivanios (1882 – 1953) es zu seinen Lebzeiten erworben hat. Heute befindet sich das Grundstück, auf dem mehrere Schulen und Colleges untergebracht sind, mitten in der Stadt.

Der Ruf des Colleges ist sehr gut. Bei rund 9.000 Bewerbungen kann die Bildungseinrichtung nur 700 Studierende aufnehmen. Direkt nebenan befindet sich das größte Gymnasium der Stadt, das 15.000 Schülerinnen und Schüler unterrichtet.

15. Juli

Tapetenwechsel: Nachdem wir in den vergangenen Tagen zahlreiche Begegnungen vor allem mit Vertretern der Syro-Malankarischen Kirche hatten, stehen in den kommenden Tagen Besuche bei der lateinischen Kirche an, auf die wir uns sehr freuen. Obwohl es wieder einmal den ganzen Tag in Strömen regnete. Wir frühstückten mit dem römisch-katholischen Erzbischof von Trivandrum. Für uns ist immer noch ungewohnt, dass es in Trivandrum zwei katholische Erzbischöfe gibt. Neben dem der Syro-Malankarischen Kirche auch einen für die Römisch-Katholischen Christen. Diese sind vor allem Fischerleute an der Küste. Mit ihnen und ihrem Erzbischof Soosai Pakiam feierten wir den Sonntagsgottesdienst in der Kathedrale, einer besonders schönen Kirche, die von belgischen Karmelitern gebaut wurde.

Besuch im neugegründeten Bistum Parassala

Am Nachmittag waren wir in einer sehr jungen Diözese unterwegs. Bischof Mar Eusebius zeigte uns sein erst 2017 gegründetes Bistum Parassala: Als Beispiel für sein Bistum zeigte uns der Bischof eine noch sehr junge Pfarrei, deren Kirchengebäude noch nicht einmal fertiggestellt war. Es war beeindruckend zu sehen, dass die Gemeinde trotzdem aus vielen jungen und begeisterten Christen bestand, denen wir begegnen durften.

In der Kirche des neuen Bischofshauses wurde Kardinal Woelki gebeten, den Grundstein für ein Priesterseminar zu segnen. Für den eigenen Priesternachwuchs zu sorgen, hat oft hohe Priorität für die jungen Diözesen. Momentan sind viele Priester aus anderen Bistümern in Parassala tätig. Von dem kleinen Seminar erhofft sich der Bischof, bald einen eigenen Klerus ausbilden zu können.

Am Abend besuchten wir die 1996 gegründete Diözese Neyyattinkara. Gerade im Vergleich zur ganz neuen Diözese war es spannend zu sehen, was in über 20 Jahren bereits aufgebaut wurde – auch mit Unterstützung aus dem Erzbistum Köln. Aus Besuchen wie diesen und den vielen Begegnungen mit Gläubigen lernen wir viel für unsere Arbeit in der Diözesanstelle Weltkirche/Weltmission im Erzbistum Köln. Ich freue mich schon jetzt auf die kommenden Tage.

16.-17. Juli - Cochin

Mit der Landung in Cochin hat die nächste Etappe unserer Reise begonnen. Noch am Abend trafen wir einige Priester des Ordens der Karmeliter von der Unbefleckten Gottesmutter Maria. Auch im Erzbistum Köln arbeiten 23 Priester des Ordens und so hatten wir fast das Gefühl des Nachhausekommens.

Am nächsten Tag stand die Begegnung mit der dritten katholischen Kirche Indiens auf dem Programm. Nachdem wir im ersten Teil unserer Reise bereits die Syro-Malankarische Kirche und die römisch-katholische Kirche besucht hatten, wurden wir nun von George Alencherry, einem Großerzbischof der Syro-Malabarischen Kirche, in Angamaly begrüßt.

Auf den Spuren des Apostels Thomas

Sowohl die Syro-Malankaren, die Gläubige verschiedener west-syrischer Riten untereinander vereinen, als auch die Syro-Malabaren, welche die Gläubigen der ost-syrischen Tradition repräsentieren, gehen auf den Apostel Thomas zurück, der von Antiochien über den Irak bis nach Indien kam und hier das Evangelium verkündigte. Er starb in Indien den Märtyrertod, sein Grab befindet sich in der Nähe von Chennai.

Viele indische Priester und Ordensfrauen, die in Deutschland tätig sind, sind Syro-Malabaren. Im Rahmen unseres Besuchs würdigte Kardinal Woelki das Engagement dieser Priester und Schwestern in Deutschland und bedankte sich für ihre Unterstützung.

Im Dialog mit anderen Religionen

Am Abend nahmen wir an der Eröffnung eines interreligiösen Forums teil, das im kulturellen Zentrum der Karmeliter stattfand. Dort waren neben christlichen Vertretern auch Vertreter der Hindus und der Muslimen. Diese Begegnungen sind im Bundesstaat Kerala sehr wichtig, da hier alle drei Religionen stark vertreten sind und über diese Dialogforen Gemeinsamkeiten hervorgehoben werden können.

18.-20. Juli - Angamaly und Muvattupuzha

Schon mehrmals sind wir auf unserer Reise Nachwuchsschwestern und Seminaristen begegnet. Auch bei den Karmeliterschwestern waren wir von der Anzahl und der Begeisterung der Juniorschwestern beeindruckt: Rund 100 junge Schwestern haben sich ganz bewusst für das Leben im Habit entschieden und absolvieren hier einen Kurs, um ihr Leben dem Orden zu widmen.

In Alwaye trafen wir wieder auf Nachwuchspriester. Die jungen Männer interessierten sich besonders für die Flüchtlingsarbeit in Deutschland. Kardinal Woelki berichtete daraufhin, dass Christen gemäß des Matthäus-Evangeliums gar nicht anders können, als Flüchtlingen zu helfen, woraufhin die Seminaristen laut Applaus spendeten.

Im weiteren Verlauf des Tages hatten wir noch eine Begegnung, die uns an die Heimat erinnerte: Wir besuchten die unbeschuhten Karmeliter, deren Mitbrüder sich auf dem Michaelsberg in Siegburg niedergelassen haben. Hier wurde deutlich: Wir sind Teil einer Weltkirche. Mitbrüder und -schwestern in der ganzen Welt zu besuchen und deren Leben kennenzulernen, ist Teil der Solidarität in unserer Kirche.

Nach zahlreichen Besuchen in Kottayam und Allepey am 19. und 20. Juli ging es weiter nach Calicut.

21. Juli - Calicut

In Calicut wartete ein Besuch bei den Missionarinnen der Nächstenliebe auf uns. Dieser Orden verdankt seine Bekanntheit vor allem seiner berühmten Gründerin, der Heiligen Mutter Teresa. Die Schwestern führen in Calicut ein Altenheim. Die alten Menschen wurden ausgesetzt, von den Schwestern auf der Straße gefunden und in ihre Einrichtung aufgenommen.

Derzeit befinden sich die Schwestern der Nächstenliebe in ganz Indien in einer schwierigen Situation. In der Presse kursieren Berichte, eine Ordensschwester habe Kinderhandel betrieben, wodurch der gesamte Orden unter Generalverdacht geraten ist. Zur aktuellen Situation hat Kardinal Woelki ein Interview bei Domradio gegeben.

22. Juli – Drei junge Diözesen

Calicut, Tellichery und Kannur - diese drei Diözesen in Kerala sind vergleichsweise jung und werden bei ihrem Aufbau vom Erzbistum Köln unterstützt. Am Sonntag haben wir alle drei besucht und konnten uns einen Eindruck von den Bauvorhaben und den Menschen in den Diözesen verschaffen.

In der Nacht hatte es erneut viel geregnet. Aber just zur Messe um 7 Uhr war es trocken. Als wir auf dem Weg zur Kathedrale waren, säumten hunderte Menschen die Straßen. Trotz der frühen Uhrzeit war die Kathedrale bereits mit rund 2.000 Gläubigen gefüllt. Es war für die Menschen das erste Mal, dass ein Kardinal zu Gast war. Der Besuch des Erzbischofs von Köln in Calicut war für viele ein wichtiges Zeichen, das ihnen das Gefühl vermittelte, Teil einer Weltkirche zu sein.

Nur etwas später besuchten wir die Syro-Malabarische Erzdiözese Tellichery und fuhren mit Erzbischof George Njaralakatt zur Kathedrale. Dort erwartete uns ein ähnliches Bild wie in Calicut: Musik, bunte Schirme und viele Kinder. Einige Kirchenbauten der Diözese wurden vom Erzbistum Köln mitfinanziert. Vor Jahren wurde bereits der Bau eines Priesterseminars bezuschusst, das wir an diesem Vormittag ebenfalls besuchten.

Am Nachmittag ging es weiter nach Kannur, wo wir von Bischof Alex und Seminaristen im Bischofshaus empfangen wurden. Der Bau des Bischofshauses in Kannur wurde ebenso vom Erzbistum Köln gefördert wie der der Kathedrale. Beide Gebäude sind sehr schön geworden und unterstützen die pastorale Arbeit vor Ort immens.

Im Anschluss besuchten wir soziale Einrichtungen der Diözese, unter anderem ein großes Zentrum für Menschen mit Behinderungen sowie eine Einrichtung für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen. Besonders beeindruckend war die Art und Weise, in der die Einrichtungen von den Gläubigen der Diözese unterstützt werden: Jeder zahlt 1 Rupie am Tag und viele engagieren sich ehrenamtlich.

23. Juli - Kannur

Jubiläum der Dienerinnen der Armen

Der Orden der Dienerinnen der Armen feiert 2018 sein 50. Jubiläumsjahr. Die gemeinsame Feier der Heiligen Messe mit Kardinal Woelki war für die Gläubigen ein besonderes Ereignis. Neben zahlreichen Schwestern nahmen auch die Bewohner verschiedener Einrichtungen der Dienerinnen der Armen an der Messe teil, darunter Schülerinnen der Taubstummenschule, Bewohner eines Behindertenheims und Senioren aus den Altenheimen.

Im Rahmen unseres Aufenthalts bei den Dienerinnen der Armen konnten wir auch das neue Museum, das sich im Mutterhaus des Ordens befindet, besichtigen, das neue Sozialbüro einweihen und einen Jubiläumsbaum pflanzen.

Die bereits verstorbene Gründerin des Ordens war Schwester Petra Mönnigmann aus Oelde. Sie kam als Ursulinin nach Indien und war damals sehr betroffen von der Armut der Menschen. So hat sie vor 50 Jahren mit einer Gruppe junger Frauen den neuen Orden gegründet, der heute in ganz Indien mehrere Gemeinschaften hat.

Lange und intensive Tage in Kerala gehen jetzt zu Ende. Unsere nächste Etappe ist Bangalore, wo wir unter anderem die Salesianer und das Goethe-Institut besuchen werden.

24. Juli - Reisetag nach Bangalore

Nach unserem Aufenthalt im tropischen und teilweise idyllischen Kerala konnten wir auf unserer siebenstündigen Fahrt nach Bangalore beobachten, wie sehr sich die Vegetation änderte. Die Mittagspause verbrachten wir in der Diözese Mandya, wo wir herzlich von Bischof Antony Kariyil CMI und seinem Team begrüßt wurden. Wir fuhren durch bergiges Gelände und ließen den Wald hinter uns, das Land wurde zunehmend flacher. Was man in Kerala kaum gesehen hatte, waren Kühe auf der Straße - in Bangalore prägen sie das Stadtbild. In Indien ist die Kuh heilig und darf sich frei bewegen.

25. Juli – Bangalore

Die Großstadt Bangalore hat rund 8,5 Millionen Einwohner. Sie ist nach Mumbai und Delhi die drittgrößte Stadt Indiens. Wegen der vielen Grünflächen wird sie auch die „Gartenstadt“ genannt. Die Stadt ist aber vor allem als IT-Standort bekannt. Viele Bewohner sind zugewandert, weil man hier als Fachkraft gut Arbeit findet. Während in Kerala die Männer den traditionellen Dhoti - eine Art Wickelrock - tragen und die Frauen überwiegend in Sari oder anderen indischen Trachten gehen, sieht man in Bangalore auch verstärkt westlich gekleidete Menschen.

Wichtiger Beitrag zur Bildung junger Menschen

Wir waren im Dharmaram College untergebracht, einem Priesterseminar der Karmeliter. Seit der Gründung des Seminars in den 1960er Jahren hat das Erzbistum Köln den Aufbau unterstützt. Es ist eine der wichtigsten kirchlichen Ausbildungseinrichtungen Indiens. Neben dem Seminar befindet sich die Christ University, die erste katholische Universität Indiens.

In offiziellen Rankings der privaten Universitäten wird sie auf Platz eins geführt, im Vergleich mit allen Universitäten Indiens steht sie auf Platz 8. Damit leisten die Karmeliter einen wichtigen Beitrag zur Qualifizierung junger Menschen. 40 Prozent der Studenten stammen aus den Missionsgebieten oder ärmeren Bevölkerungsschichten und werden über Stipendien gefördert.

Deutschkurse für indische Priester

Der erste Termin an diesem letzten Tag unserer Reise fand im „Institute for Pastoral Management“ statt. Dieses wurde vor sieben Jahren auf Anregung des Kölner Direktors der Diözesanstelle Weltkirche, Dr. Rudolf Solzbacher, ins Leben gerufen. Hier werden Priester ausgebildet, die im deutschsprachigen Raum tätig werden sollen. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut lernen die Studenten Deutsch.

Neben der Sprachausbildung sieht der 9-monatige Kurs auch Unterricht in Kirchengeschichte, Kultur und Gesellschaft sowie Liturgie vor. Wir trafen die 23 Studenten mit ihren beiden Deutsch-Lehrerinnen. Der Kardinal würdigte den Dienst der indischen Priester in Deutschland, erinnerte aber auch an den missionarischen Auftrag. Anschließend hielt Kardinal Woelki im Auditorium der Päpstlichen Hochschule Dharmaram Vidya Kshetram eine Ansprache vor den 600 studierenden Seminaristen und Schwestern, die in den Fächern Philosophie, Theologie und Kirchenrecht ausgebildet werden.

Kurz vor dem Mittagessen gingen wir zur Essensausgabe der Karmeliter für Bedürftige, wo Kardinal Woelki das Essen segnete und gemeinsam mit Dr. Solzbacher einige Portionen an die Menschen verteilte.

Am Nachmittag besuchten wir das Goethe-Institut, um die gute Zusammenarbeit zu würdigen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die Dozentinnen zum Unterrichten auf einen externen Campus kommen.

Teilhabe am kirchlichen Leben

Im Anschluss trafen wir mit Peter Machado, dem Erzbischof der Erzdiözese Bangalore, und seinem Vorgänger Bernhard Moras zusammen. Sie berichteten, dass 99 Prozent der Katholiken sonntags in die Kirche gehen. Viele Gläubige sind Zugewanderte aus anderen Landesteilen und die Sonntagsmesse ist so unter anderem auch ein Treffpunkt für sie. Egal, ob wohlhabend oder einfacher Arbeiter - alle sind in Basisgruppen organisiert und haben am kirchlichen Leben teil.