Interview mit Irene Ehmanns

Interview mit Irene Ehmanns

Neue Schulleiterin an der PAPST-JOHANNES XXIII.-SCHULE

SCUOLA PAPA GIOVANNI XXIII

Integrierte deutsch-italienische Gesamtschule

 

Was hat sie bewogen, sich auf die Stelle der Schulleitung an der Erzbischöflichen Papst-Johannes-XXIII. – Gesamtschule zu bewerben?

 

Ich bin in Bornheim Hersel an der Ursulinenschule stellvertretende Schulleiterin der Realschule gewesen.

Die Leitung einer Erzbischöflichen Gesamtschule zu übernehmen stellt eine Herausforderung dar. Die Möglichkeit zu erhalten, Schule noch intensiver gestalten zu können, hat mich motiviert, diese Stelle anzustreben.

So sehe ich in der Schulform Gesamtschule, in der eine frühzeitige Festlegung auf eine bestimmte Schulform wegfällt, die Chance, den Schülerinnen und Schülern einen weiter gefächerten   Entwicklungsraum zu ermöglichen.

Darüber hinaus bietet die Papst-Johannes-XXIII.- Gesamtschule – Papa Giovanni-XXIII.-Scuola mit ihren italienischen Wurzeln die die Möglichkeit der Begegnung von deutscher und italienischer Kultur.

  

Bessere Fördermöglichkeiten?

Sehen Sie in der Gesamtschule bessere Fördermöglichkeiten?

 

Ich sehe Vorteile in der Gesamtschule. Diese Vorteile bestehen in der späteren Zuweisung der Schülerklientel in die einzelnen Schulformen. In den ersten beiden Jahren spielt die differenzierte Zuweisung eben überhaupt keine Rolle. Später entscheidet die Leistung.

Wir haben es hier jeweils mit einer sehr sensiblen Entwicklungsphase zu tun, die eine Prognose, wie der Mensch in etlichen Jahren ist, nicht zulässt.

 

Die Durchlässigkeit im vertikal gegliederten Schulwesen funktioniert fast ausschließlich von oben nach unten (vom Gymnasium über die Realschule zur Hauptschule). Aufstiege sind die Ausnahme. Nur ein kleiner Bruchteil der Hauptschülerinnen und -schüler mit dem Qualifikationsvermerk am Ende des Jahrgangs 10 wagt z.B. den Sprung in die gymnasiale Oberstufe. In Gesamtschulen steigen weit mehr Schülerinnen und Schüler auf als ab.

Gesamtschülerinnen und -schüler gehen gern zur Schule. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen stellen bei Gesamtschülerinnen und -schülern mehr Lernfreude fest. Die Schulangst ist wesentlich geringer als im vertikal gegliederten Schulwesen. Die Erfahrung, dass sehr gute Grundschülerinnen und Grundschüler am Ende des 6. Schuljahres Schwierigkeiten haben, in die Klasse 7 versetzt zu werden, bleibt Gesamtschülerinnen und -schülern erspart. Der Wechsel von einem Erweiterungskurs in einen Grundkurs ist mit weniger Nachteilen verbunden als die Wiederholung einer Klasse oder gar der notwendig werdende Wechsel in eine andere Schulform. Außerdem besteht die Möglichkeit, bei entsprechenden Leistungen wieder in den Erweiterungskurs aufzusteigen.

Die Oberstufe der Gesamtschule hat dieselben Richtlinien und die gleiche Schulaufsicht wie die Gymnasien. Abiturientinnen und Abiturienten der Gesamtschulen haben die gleichen Erfolge im Beruf und im Studium wie die anderer Schulen.
Die landesweit erhobenen Daten über die Vermittlung in Lehrstellen zeigen keinerlei Hinweise auf Benachteiligungen von Gesamtschülerinnen und -schülern.
Gesamtschulen legen sehr viel Wert auf Zusammenarbeit mit den Eltern. Der Übergang von einem Grundkurs in einen Erweiterungskurs ist jeweils nach einem Schuljahr möglich. Die Schule berät die Eltern und unterstützt die Kinder durch Förderunterricht.
Fachleistungskurse und Wahlpflichtkurse ermöglichen die Anpassung der Schullaufbahn an die individuelle Schülerleistung. Die Lehrpläne bestehen in allen Fächern aus einem Grundplan (Grundanforderungen) und einem Erweiterungsplan (Zusatzanforderungen). Sie verpflichten den Lehrer in jedem Fach, die Leistungsanforderungen am einzelnen Schüler auszurichten.
 

 

Eine italienische Gesamtschule

Nun sind sie auch an eine italienische Gesamtschule gegangen.

Haben Sie Italienisch als Unterrichtsfach oder sind Sie der italienischen Sprache mächtig ?

 

Leider nein. Ich unterrichte Deutsch und Sport und reise gerne nach Italien. Es bestehen durchaus Affinitäten zu Italien und habe auch bereits einen Volkshochschulkurs mit dem Ziel, Italienisch zu lernen besucht.  Der Wille war vorhanden, aber..

 

Größte Herausforderung

Was ist denn das Beste, was Sie an Erfahrungen mitbringen ?

 

Vielleicht muss ich dazu sagen, dass ich aus dem öffentlichen Schuldienst kam. Ich bin dann vor dreieinhalb Jahren in den kirchlichen Schuldienst gegangen. Meine damalige Motivation war die Erkenntnis, dass Glaube in öffentlichen Schulen kaum eine Rolle spielt und ich bin zutiefst davon überzeugt, Erziehungsarbeit ohne die Basis eines Menschenbildes, dass ich im christlichen Glauben finde, nicht leisten kann. Für mich ist es einfach die Möglichkeit, meinen Glauben mit meiner Aufgabe zu verbinden.

  

Worin sehen Sie die besonderen Herausforderungen an die Schulleitungsfunktion ?

 

Die größte Herausforderung sehe ich zunächst darin, Strukturen zu erkennen und kennen zu lernen.

 

 

Interview führte -gru-