Häufige Fragen

Welche Fragen haben Schüler, Eltern und Lehrer?

Gibt es auch woanders QAs an Schulen?


Ja! Die QA ist eine Form der Schulinspektion, die es so oder ähnlich auch in anderen Ländern der Europäischen Union gibt.

Siehe grafische Darstellung:

 

 

Auch innerhalb Deutschlands haben die meisten Bundesländer eine Form der Schulinspektion, deren Verfahren und Bezeichnungen variieren jedoch:

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  • Was kostet eine QA?

    • 0,02 Lehrerstellen pro Schule 

    • oder: 1 Cappucino pro Schüler pro Jahr

     

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  • Wie wird man Qualitätsprüfer? 
    • Voraussetzung: langjährige Unterrichtspraxis und Schulleitungserfahrung
    • Qualifizierung in Theorie und Praxis (ca. 6 Monate)
    • Abschlussprüfung


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  • Gibt es ein Schul-Ranking?  

Nein!
Ein Schul-Ranking, also eine Art „Bestenliste“ mit Platz 1,2,3 usw. ist durch die QA nicht angelegt, ist nicht sinnvoll und ist auch ausdrücklich nicht gewollt.
Man kann Schulen grundsätzlich nicht miteinander vergleichen: neben der Typenvielfalt  haben sie oft auch sehr verschiedene Ausgangssituationen und Standortbedingungen. Außerdem stellt die QA nur die Beschreibung eines Augenblickszustandes zur Verfügung.  Schließlich ist die notwendige Reduktion auf einen einzelnen Zahlenindikator, z.B. „1,7 = gut“ völlig unangemessen. Ein Ranking soll sogar vermieden werden, um keinen unnötigen Wettbewerbsstress bei den Schulen entstehen zu lassen.

 

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  • Ändert sich durch die QA an den Schulen tatsächlich etwas?  

Ja! Aber ...
Das hängt entscheidend von den Schulen selber ab. Mitunter wurde und wird im Vorfeld einer QA ein erheblicher Aufwand betrieben, danach erlahmen oft die Aktivitäten. Umgekehrt wäre es besser. Wichtiger als die QA ist das, was anschließend an den Schulen passiert. Von Daten zu Taten!

 

Es ist ein deutliches Signal, dass sich die katholischen (Erz-)Bistümer in NRW dazu entschlossen haben, mit dem Land Nordrhein-Westfalen zu kooperieren und die QA an katholischen Schulen in freier Trägerschaft durchführen zu lassen. Nach einem positiven fazit wurde diese Kooperation um fünf Jahre verlängert. Diese Investition ist nur dann sinnvoll, wenn sich hinterher etwas tut. Zum Beispiel sind die Schulen gehalten, anschließend zusammen mit dem Schulträger konkrete Zielvereinbarungen zu treffen.
Aber auch schon im Vorfeld einer zukünftig anstehenden QA haben Schulen sich auf den Weg gemacht, ihre eigene Qualitätsentwicklung voran zu treiben – einfach auch deswegen, weil es die QA gibt.

 

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  • Was sind Zielvereinbarungen?
    Zielvereinbarungen vereinigen zwei Elemente:

             • das Ziel und

             • die Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Solche Ziele sollten von der Schule und dem Schulträger „smart“ definiert werden:

 

s

= spezifisch eindeutig, präzise, konkret, klar definiert

m

= messbar an klar definierten, vorher vereinbarten Kriterien

a

= akzeptiert weil angemessen, attraktiv, anspruchsvoll

r

= realistisch wirklichkeitsnah, ehrgeizig, aber erreichbar

t

= terminiert klare Termine mit Zwischenzielen, Meilensteinen

 

Ein Ziel ist nur dann „smart“, wenn es alle fünf Bedingungen erfüllt.
                  • also nicht: „Ich nehme mir vor, abzunehmen.“
                  • sondern: „Ich nehme x kg ab bis zum …,  indem ich … Dabei lege ich folgende Zwischenziele fest …"

 

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  •  Können sich Schulen auf die QA vorbereiten?

Ja!

Indem sie sich zuerst bewusst machen:

Die QA kommt - früher oder später.

Und: Die kluge Schule baut vor. Sie entwickelt ein eigenes Qualitätsmanagement z.B. mit Jahresplan und Steuergruppe, zielorientierter Schul- und Unterrichtsentwicklung und internen Evaluationen.

Alles weitere ergibt sich aus bereits bestehenden Vorschriften und natürlich dem QA-Tableau.

 

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  • Bedeutet die QA für die Schulen nicht einen erheblichen Mehraufwand?

Nein, der Mehraufwand hält sich in Grenzen. Gefordert werden zwei Portfolios, je eins in der Vorphase der QA und eins in der Hauptphase.

 

  • Portfolio I mit Angaben zu schulischen Rahmendaten, das Schulprogramm und ggf. den Zielvereinbarungen aus einer vorangegangenen QA
  • Portfolio II mit differenzierten schulischen Rahmendaten (Standort, Personal, Abschlüsse) sowie Maßnahmen von Schulentwicklung und Evaluation, dazu ausgewählte schulinterne Lehrpläne sowie Grundsätze der Leistungsbewertung und die Fortbildungsplanung der Schule
  • Stundenpläne, Lehrer-und Klassenlisten, Raumpläne, Schulprogramm, schulinterne Curricula, Vereinbarungen zur Leistungsbewertung, Vertretungskonzept, Schulordnung, Fortbildungsplan, Geschäftsverteilungsplan
  • Die meisten dieser Pflichtdokumente müssen auch ohne QA vorgehalten werden.
  • Dies stellt keine regelmäßige Zusatzbelastung für die Schulen dar, sondern eine einmalige.
  • Der Zeitaufwand ist überschaubar, da hier keine Daten neu zusammengestellt werden müssen, sondern auf vorhandenes Datenmaterial zurück gegriffen werden kann.

„Eine Schule muss sich wegen der anstehende QA nicht selbst neu erfinden - es sei denn, sie hätte über Jahre hinweg ihre Hausaufgaben nicht richtig gemacht.“

(Wulf Homeier, 2010)

 

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  • QA alle drei Jahre?

Ja, in machen anderen Nationen und Bundesländern.

 

Nein in NRW! Angestrebt wird ein Abstand von 5 Jahren. Die QA wird seit 2006 an allen Schulen landesweit standardisiert durchgeführt. Die erste Runde ist für manche Schultypen in NRW noch nicht abgeschlossen. Das liegt vor allem daran, dass es landesweit deutlich mehr Grundschulen gibt (2015: 2882) als z.B. Gymnasien (2015: 625; Quelle: Schulstatistik NRW 2014/15, S.11). Aus Gründen der Gleichbehandlung werden beim Procedere Schulen und Lehrer im Kirchendienst nicht anders oder besser gestellt als Schulen und Lehrer im Staatsdienst. Es bleibt allerdings jeder Schule unbenommen, sich - unabhängig von einer unmittelbar anstehenden QA - mit den angestrebten Qualitätszielen auseinanderzusetzen, schulinterne Evaluationen durchzuführen und Schulentwicklungsprozesse voranzutreiben.

 

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Was ist eine Evaluation?

Eine Evaluation ist das systematische, standardisierte und vor allem datengestützte Erfassen und Bewerten von Prozessen und Ergebnissen. Sie dient der Wirkungskontrolle, Steuerung und Reflexion: plan – do – check – act!

Wichtig: Auch der Prozess der Evaluation selbst ist evaluierbar („Meta-Evaluation“). Professionelle Evaluationsprogramme umfassen  deswegen auch immer diese Form der Selbstevaluation: Wie effizient, ökonomisch, erfolgreich etc. war die Evaluation? Auch die QA stellt sich solchen Fragen.

 

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Was heißt systemisch?
 

Jeder systemische Ansatz zeichnet sich dadurch aus, dass man nicht nur einen Baustein, einen Teil eines Systems in den Blick nimmt, sondern das System als Ganzes. Der Fokus liegt also nicht auf dem Detail, sondern auf dem Zusammenwirken der Teile.


Welche Elemente wirken wie zusammen und ergeben das Ganze? Nicht die einzelne Masche – sondern das Netz als Ganzes steht im Fokus.

 

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  • Was ist Qualität mit System?

"Qualität mit System ist kein Buffet, aus dem man sich die besten Stücke auswählt oder auch alles nimmt, was schmeckt, sondern eher ein Menu, bei dem alle Speisen, Gänge und Gewürze bewusst ausgewählt und aufeinander abgestimmt sind."

(Martin Bonsen, Hans-Günter Rolff: Qualität mit System - Praxisanleitung zu Unterrichtsbezogenem Qualitätsmanagement (UMQ), Carl Link Verlag 2012, S. 212)

 

„Guter Unterricht ist wie Essen im Restaurant: Es gibt erstklassige Gerichte und Lieblingsspeisen, von denen man nicht genug haben kann. Geniale Köche können aus den Zutaten hochwertige Gerichte zaubern, während Allerweltsköche gerade mal langweilige Hausmannskost daraus fabrizieren. Das ist bei Lehrern nicht anders.
Deshalb müssen die Schulleitungen wenigstens die Grundlagen für einen guten Unterricht vermitteln. Geben Sie Ihren Kolleginnen und Kolleginnen also die richtigen Rezepte an die Hand!“

(Paul Tresselt, auf: http://www.tresselt.de/schulinspektion.htm, Abfrage am 29. Januar 2016)

 

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  •  Reichen 20 Minuten Unterrichtseinsichtnahme?

Die 20-Minuten-Dauer führt regelmäßig zu Nachfragen und Diskussionen. Viele halten die Dauer der Einsichtnahmen für zu kurz, um einen umfassenden Eindruck des besuchten Unterrichts zu erhalten, es fehlten entweder die Anfangs- oder die Endphasen der jeweiligen Unterrichtsstunde. An dieser Stelle sei deswegen zunächst einmal darauf hingewiesen, dass aus statistischer Sicht gleich viele Anfangs- wie Endsequenzen besucht werden, dieses Verhältnis also ausgeglichen ist.

 

Eine Unterrichtseinsichtnahme ist kein Unterrichtsbesuch wie der eines Fachleiters bei Referendaren (Ausbildung) oder der eines Schulleiters beim Fachlehrer, wenn es um Beurteilungen, Beförderungen oder Bewerbungen geht. Denn eine persönliche Beurteilung des einzelnen Lehrers ist bei der QA weder möglich noch gewollt. Eine fachliche Beurteilung findet auch nicht statt. Der Lehrer muss auch keinen Stundenentwurf vorlegen, es gibt ja auch keine Nachbesprechung. 

 

Es geht um eine „systemische“ Fragestellung:
In welcher Prozessqualität lernen die Schülerinnen und Schüler in der Bandbreite der Fächer, Jahrgänge und Lehrerpersönlichkeiten dieser Schule?

 

Deswegen gilt: 50% der Lehrkräfte müssen mindestens im Unterricht besucht werden, damit ein aussagefähiges Ergebnis zustande kommt. Zusätzlich alle Jahrgangsstufen und Fächer nach ihrer Bedeutung, natürlich die gleiche Anzahl erster und zweiter Stundenhälften. Durch diesen Umfang und die Vielfalt wird sichergestellt, dass eine durch Daten gestützte differenzierte Rückmeldung über didaktische Gestaltung und aktive Lernprozesse erstellt werden kann.


 

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  • Kann man nachher feststellen, ob ein Lehrer schlechten Unterricht gemacht hat?
     

Nein! Die Daten aus dem Unterrichtsbeobachtungsbogen werden anonymisiert in ein Computerprogramm eingegeben. Die Schulleitung bekommt keinerlei Informationen über einzelne Lehrkräfte und deren Unterricht.

 

Hiervon muss nur dann eine Ausnahme gemacht werden, wenn Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten werden oder wenn Gefahr im Verzug ist.

 

Der gute oder schlechte Unterricht des einzelnen Lehrers fließt also in das Gesamtbild des beobachteten Unterrichts ein. Nicht gelungene, erheblich entwicklungsbedürftige oder nicht beobachtete Qualitätsmerkmale und Bestandteile von Unterricht werden dabei durchaus erfasst und abgebildet und in ihrer Häufigkeit beschrieben. Die Einzelstunde, ein einzelnes Fach oder der einzelne Lehrer sind nicht zu identifizieren, denn die QA bildet auf Systemebene ab.


Für die Beurteilung guten oder schlechten Unterrichts einzelner Lehrer ist nicht die QA zuständig, sondern z.B. Fachleiter, die Schulleitung oder der Schulrat.

 

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  • Was ist denn „guter Unterricht“?
     

Die Basis für die Beantwortung dieser Frage liefern wissenschaftlich fundierte Standards.
Die zehn Merkmale guten Unterrichts (A.Helmke, H.Meyer,  Oldenburger Dekalog) umfassen:


1. klare Strukturierung
2. angemessene Methodenvielfalt
3. echte Lernzeit
4. individuelles Fördern
5. lernförderndes Klima
6. intelligentes Üben
7. inhaltliche Klarheit
8. transparente Leistungserwartungen und –kontrollen
9. sinnstiftendes Kommunizieren
10. vorbereitete Lernumgebung

 

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  • Können sich Lehrer auf die Unterrichtseinsichtnahme vorbereiten?

Ja! Lehrer, die sich auf einen Unterrichtsbesuch vorbereiten wollen, können sich den Unterrichtsbeobachtungsbogen als PDF downloaden und so ihren Unterricht selber rückblickend beurteilen. Oder sie können sich im Rahmen gegenseitiger Hospitationen durch einen Kollegen beurteilen lassen. Und sie können Schülerinnen und Schüler als Experten von Unterricht nutzen:

http://www.sefu-online.de/ueberuns/wasistsefu

 

Am besten aber ist es, wenn sie ihren „ganz normalen“ Unterricht machen, denn nur dann bildet das Ergebnis auch den von den Schülerinnen und Schülern tatsächlich erlebten Unterricht ab. Und nur dann können innerschulische Entwicklungsvorhaben auf einer realistischen Grundlage gestaltet werden.

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  • Die Inspektoren kommen immer im falschen Augenblick?

Nein! Sie besuchen genauso viele erste wie zweite Stundenhälften. Zudem besuchen sie möglichst viele Lehrer, die ganze Bandbreite der Lehrerpersönlichkeiten, mindestens 50%. Außerdem alle Fächer nach ihrer Bedeutung gestaffelt, alle Jahrgangsstufen und zusätzliche Schwerpunkte der Schule (z.B. bilinguale oder bi-edukative Klassen u.a.m.).

Vergleichen wir einmal die „Sahnehäubchen-Momente“ einer Unterrichtsstunde mit der Wahrscheinlichkeit einer „Sechs“ beim Würfeln: In beiden Fällen stellt sich die Frage, wie wahrscheinlich ist die "Sechs" oder der "richtige Augenblick". Welche Situation die QA im Unterricht antrifft, ist ebenso zufällig wie die "Sechs" beim Würfeln. Aber je mehr Unterricht besucht wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit sowohl "richtige" als auch "falsche" oder "andere" Augenblicke zu beobachten.

 
Das Problem: Jeder Lehrer möchte natürlich am liebsten, dass die QA nur bei der „sechs“ kommt…

 

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  • Gibt es katholische Extrawürste?

Nein! Der Kooperationsvertrag mit dem Land NRW sieht neben dem zusätzlichen Qualitätsbereich QB7 „Die Eigenprägung Katholischer Schulen in Freier Trägerschaft“ nur wenige Abweichungen vom staatlichen Verfahren vor.

 

Der QB 7 macht ca. 10% des gesamten Qualitätstableaus aus. Katholische Schulen werden also vollständig auch den staatlichen Kriterien unterzogen und zusätzlich denen des QB7. Dabei ist das Qualitätsteam an genau die gleichen Verfahrensabläufe und Bestimmungen gebunden, die auch bei den staatlichen QAs üblich sind. Dazu zählen u.a. Vertraulichkeit, Rollenklarheit, Termine, Abläufe, max. 12 Teilnehmer an den Gruppeninterviews, Datenschutz usw...

 

Katholische Schulen brauchen den Vergleich und die Maßstäbe, die auch an die staatlichen Schulen angelegt werden, nicht zu fürchten. Dies alles dient dem Ziel der Verfahrenstreue, Vergleichbarkeit und damit auch der Akzeptanz. Jede Abweichung führt zu einem Objektivitäts- und Vertrauensverlust.

 

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  • Kann man schummeln?

Ja! Aber: Lügen haben kurze Beine. Sie sind ethisch fragwürdig, die Schule wäre zudem ein schlechtes Vorbild. Fake wird außerdem von fast allen Beteiligten erkannt und durchschaut.
Außerdem stellen sich die Fragen: Ist Schummeln Teil der Schulkultur? Machen die sich hier immer etwas vor?
Die Rückmeldung geht bestenfalls von falschen Voraussetzungen aus. Die Ziele und Zielvereinbarungen werden unerreichbar.
Die Zeit ist falsch geopfert, die Arbeit umsonst, das Geld fehlinvestiert.

 

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  •  Hurra, die QA kommt!?!“ 

Fiktive Rede eines Schulleiters vor der Lehrerkonferenz

 

„Liebe Kolleginnen und Kollegen,
heute möchte ich Ihnen eine kleine Geschichte erzählen:
Eines Morgens tritt die Schulleiterin vor eine Grundschulklasse und sagt: „Kinder, morgen kommt der Schulzahnarzt in der ersten Stunde in diese Klasse und schaut sich Eure Zähne an. Ich habe vor einiger Zeit mit ihm vereinbart, dass er alle unsere Klassen besucht.“
In der Klasse zeigen sich die vielfältigsten Reaktionen: Adam bleibt gelassen. Er kennt die Untersuchung schon aus seinem vorigen Wohnort; er weiß, dass seine Zähne in Ordnung sind und freut sich schon ein wenig darauf, dass der Onkel Zahndoktor ihm das noch einmal sagt.
Brunhild applaudiert spontan: „Juchhu, dann haben wir morgen keinen Sport!“ Brunhild ist ein lebendiges Kind und für jeden Spaß, jede Unterbrechung des Alltagstrotts zu haben. Und obwohl sie Sport nicht mag, wird sie es sportlich nehmen, wenn der Zahnarzt bei ihr etliche Karieslöcher findet, ein ernstes Gesicht aufsetzt und sie dringlich ermahnen wird, die Zähne besser zu putzen und zu ihrem Hauszahnarzt zu gehen. „Pah, nur Streber putzen Zähne!“, denkt sie und nimmt sich vor, dem fiesen Onkel Doktor auf seine blinkenden Instrumente zu beißen.
Charly veranstaltet ein großes Geschrei: „Nein, ich will nicht! Ich mache meinen Mund doch nicht für jeden auf! Darf der das überhaupt?“ Charly hat sich eigentlich nichts vorzuwerfen. Zähneputzen ist ihm lästig, doch er sieht ein, dass es gut für seine Zähne ist, und mit denen will er noch lange kraftvoll zubeißen. Warum also sollte er sich brav in die Reihe mit den anderen stellen und den Mund weit aufmachen? Nein! Zwar ahnt er, dass das alles nichts helfen wird, aber kampflos wird er sich nicht ergeben - hier geht’s um Prinzipien, um Freiheit und Ehre.
Dietmar hingegen lässt sich nichts anmerken. Seine Zähne dürften in Ordnung sein, er putzt sie regelmäßig, aber beim Zahnarzt war er schon lange nicht mehr; da kommt ihm der Schulzahnarzt gerade gelegen. Was mag das bloß für ein Mensch sein? Also wenn er eine eigene Praxis hätte, also so ein richtig ordentlicher Doktor wäre mit blinkenden Instrumenten und Helferinnen in gesteiften Kitteln, dann bräuchte der doch nicht in die Schule zu kommen und Hunderten von Kindern in ihre übel riechenden Münder zu fassen! Dietmar ist skeptisch und nimmt sich vor, den Papa zu fragen, was einer ausgefressen hat, der ausgerechnet Schulzahnarzt geworden ist.
Ellen schließlich ist leichenblass. Ihre Zähne sind tipptopp, das weiß sie noch von der Untersuchung bei ihrem Hauszahnarzt im vorigen Monat. Aber was war das für ein Drama! Nächtelang hatte sie nicht geschlafen, die Mutter hatte ihr Berge von Gummibärchen versprechen müssen; und in der Praxis hatte die Helferin sie gleich unter den Arm gefasst und alles erklärt, ihr das schweißnasse Händchen gehalten, als der Doktor kam und an ihren Zähnen herumklopfte. Dabei war alles in Ordnung! Kein Bohren, kein Ziehen, keine Ermahnung! Freundlichstes Lächeln, großes Lob und ein Traubenzucker waren ihr zuteil geworden. Na denn! Aber morgen - wenn die anderen Kinder dabei sind und sehen, dass ich Angst habe? Ellen taumelt zur Lehrerin und bittet um die Erlaubnis, für ein paar Minuten an die frische Luft zu dürfen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, sie werden sich fragen, warum ich Ihnen diese Geschichte erzähle? Der Grund ist folgender: In 10 Wochen werden zwei Schulinspektoren uns besuchen, in meiner Verantwortung für die Schule habe ich eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Wir erfüllen damit eine gesetzliche Pflicht (SchulG NW, §3, Abs. 3 und 4). Die Reaktionsmuster auf diese Mitteilung sind vielfältig: Man kann das gelassen sehen und aus Erfahrung für normal halten. Man wird sich vielleicht einen Spaß daraus machen und den Inspektoren zeigen wollen, dass sie unerwünscht sind. Man wird sich in seiner pädagogischen Autonomie eingeschränkt fühlen und eine Grundsatzdiskussion in Gang setzen. Man wird vielleicht die Eignung und die Untersuchungsmethoden kritisch hinterfragen. Oder man wird vielleicht auch einfach Angst haben vor der Situation, vor der eigenen Nervosität und vor der Reaktion der anderen. Weitere Varianten sind sicher denkbar.
 
Eins aber bleibt sicher: Die schulzahnärztliche Untersuchung ist ein Akt staatlicher Fürsorge mit dem Ziel einer wirksamen Mundhygiene und eine Prüfung der allgemeinen Gesundheit. Die Schulinspektion ist ein Akt staatlicher Bildungspolitik mit dem Ziel der Sicherung der Unterrichtsqualität und eine Rechenschaftslegung im Bildungswesen. Die Untersuchungen sind nicht beliebt, aber sinnvoll. Die zahnärztliche Untersuchung gibt jedem Kind und den Eltern eine unmittelbare und handlungsrelevante Rückmeldung. Der Inspektionsbericht gibt jeder Schule eine mittelbare Rückmeldung und einen Impuls zur Schulentwicklung.

Natürlich verlangen wir, dass der Zahnarzt und die Inspektoren gut ausgebildet, erfahren und menschlich sind, dass sie nach einem überprüfbaren Konzept arbeiten und ihre Methoden unbedenklich, erprobt und zielgenau sind.

Bei schlechten Ergebnissen werden wir durch Ziel- und Leistungsvereinbarungen  darauf verpflichtet werden, das in unserer Macht Stehende zur Verbesserung zu tun. Und dennoch erwarten weder das Gesundheitsamt noch die Bezirksregierung Wundertaten von uns; sie wissen ja, aus welchen Schichten und Milieus unsere Schüler kommen. Und dennoch werden wir uns bemühen, die Ergebnisse anderer Schulen mit vergleichbaren sozialen Kenndaten zumindest nicht zu unterbieten.

Auch tragen wir eine Teilverantwortung für das Gelingen des Gesamtprogramms. Jede Klasse, jeder Lehrer muss mitmachen, damit das entstehende Gesamtbild vollständig und realistisch ist. Denn das Gesamtbild ist die Grundlage auch für politische Entscheidungen: Und wir wollen doch alle, dass wir und die Politik verlässliche Daten  und ein klares Bild haben von der Lage.

Also appelliere ich an Sie, die Schulinspektion als eine wichtige, gut begründete, methodisch abgesicherte und in unserem eigenen Interesse liegende Maßnahme mitzutragen  - oder auch nur zu ertragen.

Wir haben uns bei Gelegenheit schon einmal selbst ins Maul geschaut: Das war im vorigen Jahr, sie erinnern sich noch an unsere interne Evaluation zur individuellen Förderung und methodischen Vielfalt im Unterricht der Erprobungsstufe. Nun wollen wir wissen, wie sich unser Ansatz zu dem landesweiten Konzept der Schulqualität verhält.

„Denn systematisches Vorgehen gibt Orientierung, die Vorgaben der zugrunde liegenden Kriterienkataloge schaffen gemeinsame Sprache und der ganzheitliche Anspruch fordert und fördert Kooperation.“(Maritzen, SM 0920, S.21)
 
Im Übrigen stehen die einzelnen Lehrer gar nicht im Fokus der Inspektion, die kurzen Unterrichtsbesuche sind Stichproben und erlauben nur einen Gesamteindruck. Diese Besuche sind auch der prominente Teil eines ausführlichen Untersuchungsprogramms, das von der Akteneinsicht über eine Schulbegehung bis hin zu standardisierten Interviews reichen wird. Damit gewinnen aber auch wir eine verlässliche Datenbasis für unsere Unterrichtsentwicklung im Ganzen.  Ist das Ergebnis negativ, so müssen wir Umsetzungsschritte vereinbaren: Auch wenn’s weh tut, wird gebohrt werden müssen; ist das Ergebnis positiv, dürfen wir freudig und selbstbewusst auf dem eingeschlagenen Weg fortfahren; denn er hat ja gar nicht gebohrt.“

 

Von: Dr. Manfred Sieburg, Fritzdorf, November 2011
mit freundlicher Genehmigung des Autors

 

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