Besitz des Erzbistums Köln als Gegenstand internationaler Verhandlungen

Besitz des Erzbistums Köln als Gegenstand internationaler Verhandlungen

Wenige Jahre waren vergangen, seit Hitler besiegt war, Deutschland kapituliert hatte und mit der Befreiung zugleich auch das volle Grauen der KZs offenkundig geworden war. 1948 war der neue Staat Israel entstanden, der den Überlebenden Zuflucht bot. Sehr bald kam es unter Bundeskanzler Adenauer zu Verhandlungen mit Israel und 1952 zu einem Wiedergutmachungs-Abkommen mit finanziellen Entschädigungen für das den Juden zugefügte Unrecht während der NS-Zeit. – Was heute kaum noch jemand weiß: Wenig später rangen deutsche und israelische Diplomaten nochmals miteinander, und zwar um Angelegenheiten des Erzbischöflichen Stuhls von Köln. In dem hier vorgestellten Schreiben informiert der Kanzler den Kölner Erzbischof Frings persönlich über den Abschluss dieser Verhandlungen. Worum ging es?

 

Seit dem 19. Jahrhundert wirkte in Palästina, wo verschiedene Völker und Religionen zusammenlebten, der Deutsche Verein vom Heiligen Lande. Er engagierte sich für den Schutz der heiligen Stätten, für christliche Mission in der Region sowie für die Interessen der auslandsdeutschen Katholiken. Dazu unterhielt er einige Immobilien mit Hospizen, Schulen und Klöstern, von denen die meisten seit 1948 auf dem Gebiet von Israel lagen.

 

Im August 1950 hatte Israel durch ein Gesetz das deutsche Vermögen (außer den Kirchengebäuden) beschlagnahmt. Das israelisch-deutsche Abkommen von 1952 öffnete theoretisch den Weg für eine Freigabe des kirchlichen Besitzes, die bis dato nicht geregelt worden war. Daher erwirkten Kardinal Frings – er bat Adenauer im Februar 1953 um die Hilfe des Auswärtigen Amtes – und der Nuntius, dass zwischen den Staaten nochmals verhandelt wurde. Glücklicherweise waren seit den 1920er Jahren die Immobilien des Heilig-Land-Vereins, dessen Präsident der jeweilige Kölner Erzbischof ist, auf den Erzbischöflichen Stuhl eingetragen worden.

 

Bei den Zusammenkünften vom 19. bis 29. Mai 1953 in Luxemburg und Paris ging es u. a. um das Areal des Klosters Dormitio auf dem Zionsberg – dieses Grundstück hatte Kaiser Wilhelm II. dem Verein 1898 geschenkt – und um beachtliche Ländereien in Tabgha am See Genezareth, auf denen u. a. die alte Brotvermehrungkirche steht.

 

Heraus kam ein Kompromiss: Ein Teil der Güter wurde freigegeben (z. T. mit militärisch bedingten Auflagen, etwa ein Beobachtungsposten auf dem Abteidach am Zionsberg). Andere Immobilien gingen gegen eine Entschädigung an den Staat Israel. Hart wurde um Tabgha gerungen. Letzte Details wurden zwischen dem Deutschen Verein vom Hl. Lande und Israel ab Juli 1953 geregelt.

 

Der Verein wirkt bis heute segensreich und ist die Brücke der deutschen Christen zu den Menschen im Heiligen Land.

 

Ulrich Helbach